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Friedemann Wezel

Musikalische Überzeugungen und Schwerpunkte

Aus der österreichischen Schule kommend durfte ich schon frühzeitig mit den theoretischen und praktischen Hinweise der Harnoncourtschen Aufführungspraxis in Verbindung kommen, was mich stark geprägt und fasziniert und mich gleichzeitig nie mehr losgelassen hat. Diese Kenntnisse auf dem jeweils historischen Instrumentarium umzusetzen, hat mich herausgefordert und beglückt und mein eigenes Spiel enorm bereichert.
Gleichzeitig faszinierend ist für mich, diese Original-Klangwelt entsprechend auf die moderne Geige zu übertragen, ein Vorgang, der für heutige – und erst recht für zukünftige – Künstlergenerationen als selbstverständlich erwartet und vorausgesetzt sein wird.


Was konkret ist meine Methode, meine pädagogische und methodische Überzeugung?

In der Arbeit mit meinen Hauptfachstudenten wie auch in meinen Methodik-Vorlesungen an der Leipziger Musikhochschule versuche ich in der ersten Phase der Arbeit, allgemein gültige methodische Grundlagen aus den verschiedenen Schulen zu benennen und für die Studierenden erlebbar zu machen. Nur aus gespürten Erfahrungen können für mich Fortschritte und Erfolgserlebnisse entstehen, nur gemeinsam mit ihnen können für mich eigenständige Lösungen entwickelt und individuell angepasst werden.
Es geht in der professionellen Ausbildung vor allem darum, auf der Bühne genau dies überzeugend darstellen zu können, was den jeweiligen Menschen, den Instrumentalisten und den Künstler ausmacht. Genau deshalb ist mir in der gemeinsamen Arbeit so grundlegend wichtig, ein maximales Gefühl der Gelöstheit im Körper und auf dem Instrument in Balance zu bekommen, um zusätzlich mental so stark zu sein, alle technischen und musikalischen Prozesse auch unter Stressbedingungen möglichst ideal steuern zu können. Dem Studierenden dabei zu helfen, die eigene kreative innere Seite auf möglichst allen Ebenen nach außen zu kehren, genau dies ist die Herausforderung, die mich als Pädagoge seit jeher antreibt und meine Geduld, Phantasie und Kreativität befördert.


Sehr gerne möchte ich im Zurückdenken meinen ehemaligen Lehrern danken dafür, wie sie mich mit so vielerlei Einflüssen und Erfahrungen geprägt haben: Es haben mir Roland Baldini, Max Speermann und Erich Höbarth wegweisende Impulse vermittelt am Entdecken und Entwickeln meiner eigenen künstlerischen Ausdrucksweise als Solist und Kammermusiker, gleichzeitig aber auch den pädagogischem Impetus gestärkt, für mich und andere nach überzeugenden musikalischen und methodischen Lösungswegen auf der Geige zu suchen.
Jeder Musiker und jeder Pädagoge vereint in sich die gemachten Erfahrungen auf ganz eigene Art, und so möchte auch ich meine über Jahre gewachsenen Ideen und Überzeugungen an meine Studierenden weitergeben.


Die Bedeutung von il capriccio für mich

Schon sehr früh hatte ich das Bedürfnis, in einem eigenen Ensemble eigene Ideen umzusetzen. Dies hat sich für mich mit meinem Ensemble il capriccio ideal gefügt, welches sich je nach Besetzung von Quartettgröße bis zum größeren Klangkörper mit Bläsern wandelt und erweitert.
Es war schon immer ein besonderer Traum von mir, im Dialog mit Freunden Ideen zu entwickeln und umzusetzen und ungelöste Fragen gemeinsam zu beantworten, neue Ideen, Programme und Vermittlungsformen zu entwickeln.
Natürlich geht es mir und uns als Ensemble auch um das Konzert-Erlebnis, um die höchstmögliche Qualität in allen Bereichen, aber eben auch um das, was uns als Musiker und Freunde miteinander menschlich verbindet. Nur so kann ich mich mit vollster Hingabe dem anvertrauen, was mir am Wichtigsten ist: Dem kammermusikalischen Moment!


Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig
http://www.hmt-leipzig.de/

Friedemann Wezel

Friedemann Wezel